Der Fanfarenzug Ankenreute auf Italienreise

Wer mit Trommeln und Fanfaren in grün-weiß-roter Uniform in einer römischen U-Bahn steht, zieht Blicke auf sich. Auf dem Weg zu seinem ersten Auftritt wird der Fanfarenzug Ankenreute vom Touristen selbst zur Attraktion. Für sechs Tage begab sich der FZA – Anfang September – auf eine musikalische und kulturelle Reise nach Modena, Rom und Ostia.

Jede gut geplante Reise muss scheitern, wenn bei der Abfahrt der Reisebus fehlt. Mit zwei Stunden Verspätung startete der FZA am 5. September 2016 Richtung Italien. Von Wetzisreute aus ging es am ersten Tag nach Modena, in das Land der Motoren. Und diesen Namen hat die Region wahrlich verdient. In der Stadt Modena befindet sich der Sitz des Luxuswagenherstellers Maserati.

Zwischenstopp in Modena: Besuch des Ferrari-Museums

In der näheren Umgebung sind Lamborghini und Ferrari angesiedelt. Zur Freude aller Sportwagenfreunde wurde dann am Morgen des zweiten Reisetages das Museo Enzo Ferrari in Modena besucht. Zum Geburtstag von Enzo Ferrari widmet das Museum seine Ausstellung in jährlichem Wechsel einem anderen Thema. Das Thema 2016: Red Carpet, als eine Homage an die internationale Filmwelt. In der Ausstellung findet sich der Rennwagen 512S aus dem Film Le Mans und der Testarosssa aus Miami Vice. Vom kantigen Oldtimer bis zum Supercar LaFerrari war für jeden Geschmack etwas dabei.

FZA im Ferrari-Museum

FZA im Ferrari-Museum

Nach einem kurzen Boxenstopp ging die Reise mit dem Sportbus weiter nach Rom. Bei der Fahrt zum Hotel zeigte der Busfahrer seine Rennfahrer-Qualitäten. Geschmeidig manövrierte er den Tandembus durch das römische Verkehrschaos, ganz zur Freude seiner Reisegesellschaft. Der frühe Abend lud die Fanfarenzügler zu einem ersten Streifzug Richtung Petersdom und Engelsburg ein.

Besuch der Generalaudienz des Papstes

Jeden Mittwoch findet bei gutem Wetter auf dem Petersplatz eine Generalaudienz des Papstes statt. Sofern sich dieser in der Stadt befindet. Wer aussichtsreiche Sitzplätze haben will, muss früh los. Etwa 25.000 Pilger versuchen bei der Audienz möglichst weit vorne zu sitzen. Also startete der dritte Reisetag für den Fanfarenzug um 6.30 Uhr. An den Zugängen zum Petersplatz stauten sich die Menschenmassen. Jeder Besucher wird kontrolliert wie am Flughafen. Wenn der Papst in seinem Mobil winkend um die Pilger kreist, wird klar warum. Der Papst wird von der Menge gefeiert wie ein Popstar. Die Pilger aus Argentinien, dem Senegal und aus aller Herren Länder wurden auf sieben verschiedenen Sprachen begrüßt. Papst Franziskus verurteilte in seiner Ansprache religiösen Hass und forderte auf zu Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Eine besondere Ehre wurde dem frisch-vermählten Fanfaren-Ehepaar zu teil. In Brautkleid und Hochzeitsanzug durften sie gemeinsam mit anderen Paaren auf die Treppe des Petersplatzes und wurden vom Papst persönlich gesegnet.

FZA vor der Spanischen Treppe

FZA vor der Spanischen Treppe

Platzkonzert in den Gärten der Villa Borghese

Mit Uniform und Instrument stieg der FZA am Nachmittag in die U-Bahn, um für den ersten Auftritt in die Gärten der Villa Borghese zu gelangen. Mit einer Reiseführerin ging es vorbei an der noch nicht wiedereröffneten Spanischen Treppe auf den Pincio hinauf, einen der sieben Hügel Roms. Vom Aussichtspunkt Pincio eröffnete sich der Reisegruppe ein wunderbarer Blick über die Stadt. Die angrenzende Villa Borghese ist einer der schönsten Parks von Rom. Auf der Stadtkarte erscheint er wie ein grünes Herz im historischen Zentrum. Auf der 5 Quadratkilometer großen Anlage befinden sich neben malerischen Gärten und einladenden Liegewiesen zahlreiche Wasserspiele und Tempel. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Tiergarten und das Kunstmuseum Galleria Borghese. Durch einen spätsommerlichen Nieselregen wurde die kleine Stadtführung jäh beendet. Glücklicherweise konnte sich der FZA in ein kleines Parkcafé retten. Nach einer Erfrischung und einem kleinen Platzkonzert zog der Fanfarenzug trommelnd durch die Alleen von uralten Bäumen in Richtung des Tempels des Aesculapius. Das anschließende Konzert am See des Tempels lockte die Parkbesucher wieder aus ihren Regenverstecken hervor. Die Zuhörer wurden dafür mit stimmungsvoller Fanfarenmusik belohnt.

Fanfarenzug Ankenreute vor dem Tempel des Aesculapius

Fanfarenzug Ankenreute vor dem Tempel des Aesculapius

Besuch des größten Amphitheater der Welt

Der vierte Tag der Italienreise stand ganz im Zeichen des antiken Rom. Die Reisegruppe des FZA traf sich mit der Reiseführerin am Kolosseum. Das Kolosseum von Rom ist das größte erhaltene antike Amphitheater und eines der Wahrzeichen der Stadt. Wer hat es nicht schon auf der italienischen 5-Eurocentmünze gesehen. Die Ruine aus dem 1. Jahrhundert nach Christus ist mit seinen 80 Eingangstoren und seiner hochtechnischen Baukunst auch heute noch eine eindrucksvolle Erscheinung. Vorbei am Konstantinsbogen ging die Tour weiter zum Forum Romanum. Unter den Augen der Touristenscharen arbeiten täglich Archäologen an den Ausgrabungen des Forums, die so manchem nur als Steinhaufen erscheinen mögen. Mit den bildhaften Beschreibungen einer kundigen Führerin ließ sich seine frühere Gestalt aber leicht erahnen. Das Forum war in der Antike nicht nur das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Stadt, sondern gar das Zentrum der Macht des gesamten römischen Weltreichs. An von Kapernsträuchen bewachsenen Mauern entlang ging es weiter Richtung Senatorenpalast, der heute als Rathaus dient. Um auf den Kapitolsplatz zu gelangen, musste sich der FZA durch Journalisten zwängen, die das Büro der neuen Bürgermeisterin belagerten. Die Mitte des Platzes ziert eine Reiterstatue von Marc Aurel, die von einem sternförmigen Pflaster umgeben ist. Eben diese Statue findet sich auch auf der italienischen 50-Centmünze. Mit dem Kolosseum und Marc Aurel im Geldbeutel ging es anschließend in die Mittagspause.

Besuch des Kolosseums

Besuch des Kolosseums

Für den Nachmittag war der Besuch des Ausgrabungsgeländes von Ostia Antica geplant. Mit dem Reisebus gelangte der Fanfarenzug in die Hafenstadt des antiken Rom. Die Besichtigung führte durch die Thermen des Neptun mit seinen schwarz-weißen Mosaiken, über die Kaserne der Feuerwache mit ihren Latrinen zum Platz der Korporationen. Die aufwendigen Mosaike vor den 1900 Jahre alten Büros des Platzes deuten auf Handelsvertretungen, Bäckereien und Tavernen hin. Die Stadt wurde ursprünglich als Militärlager zur Überwachung des Schiffsverkehrs an der Tibermündung gegründet. Heute liegt das alte Ostia im Landesinneren. Vorbei an gut erhaltenen Speichern für Getreide, Wein und Öl endete die Besichtigungstour im Theater des alten Ostia. Um die kulturgeladenen Fanfarenzügler nicht zu überlasten, ging es zum Abschluss des Tages zum Baden ans Mittelmeer. Nachdem zwischen den etlichen privaten Strandbädern des Lido di Ostia endlich ein frei zugänglicher Abschnitt gefunden war, wurde schnell klar, dass nicht jeder Ankenreuter Salzwasser in seinen Augen verträgt.

Besuch der Katakomben von San Callisto

Am fünften Tag stieg der Fanfarenzug unter die Erde, hinab in die Katakomben von San Callisto. Nach einer kurzen Wartezeit in der fast unerträglichen Mittagssonne verschafften die dunklen Gänge eine willkommene Abkühlung. Die Calixtus-Katakomben sind mit die größten und bedeutendsten Katakomben von Rom. Zwischen 130 und 460 nach Christus wurden sie als Grabstätten für christliche Würdenträger und Märtyrer genutzt. Auf mehrere Stockwerke verteilt erstreckt sich das Netz von Gängen über eine Gesamtlänge von knapp 20 Kilometern. Der heiligste Ort der Katakomben ist die Krypta der Päpste. In ihr sind neun Päpste begraben, weshalb sie den Beinamen „kleiner Vatikan“ trägt. Ein weiterer Höhepunkt ist die mit Wandmalereien verzierte Krypta der heiligen Caecilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik. Während dem Rundgang waren dem schwäbischen Katakomben-Guide die FZA-T-Shirts aufgefallen. Begeistert lud er den Fanfarenzug ein, im oberirdischen Bereich der Katakomben ein Platzkonzert zu geben. Dort warteten bereits weitere Touristen aus Frankreich, Australien und China auf den Beginn ihrer Touren. Das internationale Publikum ließ sich von Musikstücken wie „Mammamia“ und „Trojan Horse“ mitreißen und startete eine Polonaise. Bereits nach kurzer Zeit unterlagen einige Teenies dem Charme unserer jungen Fahnenschwinger und fingen lautstark an zu kreischen.

Platzkonzert an den Katakomben

Platzkonzert an den Katakomben

Über die Via Appia Antica hinweg, ging es anschließend mit dem Bus weiter in die Albaner  Berge. Vorbei am Castel Gandolfo, der Sommerresidenz des Papstes, durch die Weinanbaugebiete der Campagna Romana bis nach Frascati. Bei einem gemeinsamen Essen mit Weinverkostung fand die Reise ein angenehmes Ende. Dass der Strom in der Kantine ausgefallen war und die Räumlichkeiten nur mit Kerzenlicht beleuchtet waren spielte dann auch kaum eine Rolle.

Nach einem Frühstück im Hotel machte sich der Fanfarenzug am 10. September auf den Heimweg nach Schlier. Auch bei einer kurzen Reise lassen sich viele neue Eindrücke sammeln und Vorurteile beseitigen. Wer die beste Pizza Italiens sucht, wird in Rom wohl nicht fündig werden. Trotz zahlreicher Angebote wurde im Großstadtgetümmel der italienischen Hauptstadt auch nicht eine Fanfare ausgeraubt. Ohne den beherzten Busfahrer und seine italienische Fahrweise würde der FZA wohl noch heute im ewigen Stau Roms stecken. So wie Rom dem Sprichwort nach nicht an einem Tag erbaut wurde, lässt sich die italienische Metropole und ihr antikes Erbe auch nicht in einer Woche erkunden. Die gelungene Reise mit einer Mischung aus Geschichte, Musik und Vergnügen macht Lust auf mehr. Eine Reise mit dem Fanfarenzug bringt immer Spaß für Jung und Alt. Die nächste Ausfahrt kommt bestimmt.

Fanfarenzug Ankenreute e.V.

Joachim Deuringer, Pressewart

 

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